Wieder zurück auf der Dorfstraße, finden wir auf der rechten Seite die Schlachterei unseres Dorfes. Hier betreibt Meister Otto Lemke sein Gewerbe.

 

An 'Meister Otto', so nennt man ihn im Dorf, habe ich noch heute wache Erinnerungen: In seinem Geschäft strahlt ein rundes, immer fröh­liches Gesicht die Kundschaft an. Natürlich kommt er auch auf den Hof, wenn in der kalten Jahres­zeit eine Hausschlachtung ansteht. Früh morgens in der Dämmerung beginnt er seine Arbeit. Wenn es dann hell geworden ist hängt das Schwein schon sauber abgeschrabt und in zwei Hälften geteilt unter der gegen den Stall gestellten Leiter. Zum Abend kommt er wieder und teilt die Hälften nach den Wünschen der Hausfrau.

 

Die Schwester von 'Meister Otto' betreibt mit ihrem Mann in Pillau ein Kolonialwarengeschäft mit einer Gastwirtschaft. Ende der dreißiger Jahre stirbt ihr Mann. Nach einigem Überlegen verlässt unser 'Meister Otto' endgültig Geidau und geht nach Pillau um seine Schwester zu unterstützen.

 

Das Geschäft im Dorf übernimmt die Familie Bressem. Auch in der Familie Bressem gibt es einen 'Meister Otto', es ist der 1915 geborene älteste Sohn der Familie. Im Krieg ist der Schlachtbetrieb stark eingeschränkt und auch Hausschlachtungen gibt es nur noch für Selbstversorger, unter Anrechnung auf die Fleischmarken des Haushaltes.

 

Otto Bressem wurde nach den Erinnerungen von Brigitte Seidl, geb. Gronau, nach der Besetzung des Dorfes durch die Rote Armee, auf seinem Grundstück erschossen aufgefunden. Über den Verbleib seiner Eltern und des Jüngeren Bruders habe ich keine Informationen.

 

 

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