Als erstes Haus, vom Kaddisberg kommend, begrüßt uns das Armenhaus des Dorfes. Es ist ein Strohdachhaus. Bei uns nennt man alle Häuser mit weicher Bedachung so, die Be­zeichnung Reetdachhaus ist nicht geläufig. Sein ehemaliger Besitzer hat das Haus der Ge­meinde schon vor dem Jahr 1900 zum Eigentum übergeben, mit der Auflage, in dem Haus Rentnern und armen Dorf­bewohnern Wohnung, frei oder gegen geringe Miete zu gewäh­ren. Dafür sollen sie jedes Jahr, zu Pfingsten die Schutzsteine vor den Bäumen der Dorfstraße mit Kalkmilch streichen und das ganze Jahr die Wege auf dem Friedhof sauber halten. Im dem Haus sind vier Wohnun­gen. Dazu gehören, wie auch zu allen Insthäusern, kleine Nebenge­bäude als Stallungen für Vieh und zur Lage­rung von Heizmaterial.

 

Ehepaar Karl und Rosine Eisenberg.

In der linken Wohnung auf der Vorderseite wohnt der Rentner Karl Ei­senberg mit seiner Frau Ro­sine. Er war einst Kämmerer auf dem Hof der Familie Federmann. Karl Eisenberg ist auch als Rentner noch rüstig und ak­tiv; sein Markenzeichen: Zu jeder Tageszeit sind seine Kno­belbe­cher (kurze Stiefel) mustergültig geputzt und der silbergraue Schnurrbart ist säuberlich aufge­zwirbelt!  Im Sommer mäht er das Gras in den Gräben der Gemeinde und trocknete es zu Heu, als Winter­fut­ter für seine Tiere. Er weiß die Sense vortrefflich zu führen. Obwohl mein Vater sehr eigen mit sei­nem Rasen in unserem Garten ist, Karl Eisenberg darf ihn mähen wenn mal Not am Mann ist, dafür erhält er den Bewuchs der dreieckigen Grünfläche zwi­schen der Dorfstraße und unserm Garten, zum Heu machen für sein Viehzeug. Das Ehepaar findet, im Januar 1945, auf der Flucht Platz auf einem großen Schiff das von Pillau in Richtung Danzig-Gotenhafen ausläuft. Das Schiff ist, wie die meis­ten der Flüchtlingsschiffe, vollkommen überladen. Während sich Frau Rosine zum Essen ho­len an­stellt ist ihr Mann, auf dem Schiff, verschollen. Frau Eisenberg lebte bis 1955 in Wanne­weil/Reutlingen. Alle Versuche, über Suchdienste verschiedener Art, ihren Mann zu finden, bleiben erfolglos - Karl Eisenberg bleibt verschollen.

          

 

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